Bild einer Rose

Kein Mensch ist im Leben namenlos - warum sollte es nach dem Tod anders sein?

Die stetige Zunahme der Einäscherungen, die Entwicklung der namenlosen ("anonymen") Bestattungen, die rückläufige Anzahl der Trauerfeiern und das zunehmende Angebot alternativer Bestattungen außerhalb von Friedhöfen zeigen, dass sich ein Wertewandel in unserer Gesellschaft vollzieht. Es scheint für Tod und Trauer nicht mehr der Raum zu sein, der es ermöglicht, den Verlust eines Menschen zu verarbeiten. An die Stelle der Erinnerung tritt immer häufiger das Vergessen.

Es ist ein Anliegen des Arbeitskreises Trauerkultur, diesen Raum zu schützen und wieder in das Bewußtsein der Menschen zu rücken. Die Auseinandersetzung mit dem Tod hilft, Ängste und Befürchtungen abzubauen und ihn als Teil des Lebens zu begreifen.

Friedhöfe spielen dabei eine wichtige Rolle. Als Ruhestätte für die Toten sind sie gleichzeitig ein Ort der Ruhe und Besinnung für die Lebenden.

Die Friedhöfe liegen voller Menschen,
ohne die die Welt nicht leben konnte.
Irisches Sprichwort

Aus unterschiedlichen Gründen lassen sich Menschen heute namenlos unter dem grünen Rasen beerdigen und verzichten damit auf ein Zeugnis ihres Lebens. Menschen, die selbst über Jahre und Jahrzehnte das Grab der Eltern, der Angehörigen, der Freunde gepflegt haben und damit ihre Trauer verarbeiten konnten, wollen ihren Kindern "nicht zur Last fallen". Oft entdecken die Kinder erst beim Tod der Eltern eine Verfügung, dass die Beerdigung namenlos erfolgen soll. Der Wunsch wird als letzter Wille akzeptiert, auch wenn die Familie lieber eine individuelle Grabstätte für die Eltern gewählt hätte. Ein offenes Gespräch zu Lebzeiten kann Klarheit schaffen.

Das individuelle Grab ist der zentrale Ort der Trauer und ermöglicht den hinterbliebenen Angehörigen, Freunden und Nachbarn aktive Trauerarbeit. Die Gestaltung und Pflege des Grabes und des Grabmals geben den Angehörigen das Gefühl, etwas für den Verstorbenen tun zu können und ihm nahe zu sein. Die Verwendung von Lieblingspflanzen und und die individuelle Gestaltung des Grabmals schaffen eine lebendige Erinnerung und sind gleichzeitig Ausdruck der Persönlichkeit des Verstorbenen. Er ist nicht vergessen, sondern bleibt sichtbar ein Teil unseres Lebens. Traditionelle und neue Bestattungsformen machen es möglich, den Ort der letzten Ruhe zu kennen und im Andenken an den Verstorbenen zu bewahren.

Nehmen Sie Ihren Tod persönlich

Zu Lebzeiten schon an den Tod zu denken, ist für die meisten Menschen immer noch unangenehm. Warum sich jetzt damit beschäftigen, er ist doch noch in weiter Ferne.

Jeder selbst kann für sich klären, wie er sich seinen letzten "Lebensabschnitt", seinen Abschied, vorstellt. Es geht dabei um unser ureigenes Interesse und sollte von großer Bedeutung für uns sein. Die Menschen, die selbst festlegen, wie ihre eigene Beerdigung durchgeführt werden soll, dürfen nicht die Ausnahme bleiben.